Blei-Grenzwert abgesenkt?

Gerade über einen Bericht eines Herstellers gestolpert und dabei standen mir schnell die Haare zu Berge. Ich finde ja Informationen sind wichtig und richtig, aber um jetzt von bleifrei und einer Pflicht zu reden, nun ja. 

Keine Frage, Blei ist schädlich, daher ist Menge im Trinkwasser weiter zu begrenzen. Jedoch ist eine halbwahre Aussage auch nicht sonderlich förderlich. 

Zitat: 

„Es ist in der Trinkwasserrichtlinie der Stoff mit den mit Abstand größten negativen Gesundheitsfolgen. Deshalb wurde jetzt Zur Sicherung der Trinkwasserqualität der Grenzwert auf 5 Mikrogramm pro Liter halbiert.Der Grenzwert bezieht sich demnach auf die Summe des gesamten Bleieintrags – theoretisch darf durch die Hausinstallation nur die Hälfte dieses Wertes eingetragen werden.“

Fakten dazu: 

Der aktuelle Grenzwert für Blei in der Trinkwasserverordnung von 2018 ist 10mg/l, dieser gilt Stand heute nach wie vor. 

Der aktuelle Grenzwert für Blei in der EU-Richtlinie „Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch vom 16.Dezember 2020“ ist 10mg/l und ab 12.Januar 2036 ist dieser 5mg/l. 

Gilt dieser Grenzwert aus der EU-Richtlinie in Deutschland? Nun ja, derzeit noch nicht, denn diese EU-Richtlinie muss erst einmal in nationales also deutsches Recht überführt werden, ich schätze dies dauert bis ca. 2023. Denn soviel Zeit haben die Mitgliedsstaaten in der EU um dies zu tun.

Ich möchte noch einen Satz aufgreifen, welcher diesen Beitrag schmückte: 

„Kein Installateur möchte die Wände eines Neubaus aufstemmen und die Trinkwasserleitungen neu installieren, weil eine Abnahme eine Grenzwert-Überschreitung ergeben hat!“ 

Genau aus diesem Grunde wurde bereits 2017 in der Änderung der TrinkwV ein Übergangszeitraum festgelegt. §9, Absatz 4 ist hier maßgebend. Dieser sagt aus, dass keine Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn nach Neuinstallation nach Inbetriebnahme. Der Wert bis zu 20mg/l ist. Die Zeit ist bis 16 Wochen nach Inbetriebnahme. 

Warum dies so ist? 

Nun die meisten derzeit üblichen und eingesetzten Werkstoffe haben einen geringen Anteil Blei, welcher gerade am Anfang verstärkt ausgespült wird. Sollte der Bleigrenzwert bei Inbetriebnahme überschritten sein, dann ist ein entsprechender Spülplan nützlich, damit nach der Frist von 16 Wochen, der Bleigrenzwert eingehalten werden kann.

Die Aussage oben ist derzeit nach meiner Meinung falsch und nur dazu geeignet Panik zu verbreiten. 

Warum sich die EU in Ihrer Richtlinie soviel Zeit für den verschärften Grenzwert lässt? 

Die Frage ist eine andere, wie viele Bleifreie Werkstoffe kennen Sie und werden diese schon flächendeckend eingesetzt? Denn hier liegt die Schwierigkeit, es gibt derzeit zu wenige echte bleifreie Werkstoffe, teils sind diese zu teuer und es gibt keine Recycling-Mengen, um die Preise für die Werkstoffe zu senken. 

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