Mein Fazit zum Viega Symposium in Hamburg, Februar 2019

Die Firma Viega aus Attendorn hat im Februar 2019 zum Symposium Energieeffizienz und Trinkwassergüte nach Hamburg eingeladen. Ein großes Thema war die Thematik Building Informations Modeling, kurz BIM.

Eines vorweg, die Veranstaltung war aus fachlicher Sicht sehr spannend und interessant, ein paar Denkanstöße waren dabei. Die für mich wichtigsten Themen waren:

  • BIM im Versuch und damit das Thema Digitalisierung
  • Trinkwassergüte
  • Energieeffizienz hier der Bereich Warmwasser

Doch nun etwas genauer zu meinen Denkanstößen.

BIM und Digitalisierung

Monitoring und die Thematik der Planungsmethode BIM. In erster Linie ist BIM mehr als nur bunte 3D-Pläne zeichnen. Es geht hierbei verstärkt darum, die Planungsprozesse so zu optimieren, dass die Gebäude bereits virtuell gebaut werden. Ebenso ist BIM eine Lebenszyklusaufgabe, mit BIM soll also auch der Betrieb des Gebäudes abgebildet werden und die Daten an das CAFM übergeben werden.

Was mir hier besonders auffiel, war die Tatsache, dass zwischen Planung und Ausführung, sowie zwischen Ausführung und Betrieb, eine Lücke klafft, welche zu entsprechenden Problemen führen kann.

Es ist nun einmal so, dass zwischen Planung und Ausführung, jeweils ein Wechsel der Vertragspartner stattfindet und hier auch unterschiedliche Interessen aufeinanderstoßen.

Hier liegt ein Spannungsfeld zwischen Planung und Ausführung, alleine im Vertragsregelwerk (VOB) sind hier genügend Stolpersteine vorhanden, welche in Zukunft ausgeräumt werden müssen. Das BIM für Bauprojekte des Bundes (Infra und Verkehr) bereits ab 2020 verpflichtend sind, ist hier dringender Klärungsbedarf angesagt, sonst kann dies nicht funktionieren.

Beim Thema Monitoring, ging es beim Symposium um die neuen Produkte. Wobei das Thema in Zukunft sicher noch stärker betrachtet werden wird, ist es hier etwas kurz gekommen.

Energieeffizienz + Trinkwassergüte

Hier wird stark auf die Thematik Warmwasserverbrauch eingegangen, was ich einerseits gut verstehe und anderseits nicht nachvollziehen kann. Klar ist die Warmwasserbereitung im Neubau und nach neuesten Energiestandards, mittlerweile ein entsprechender Energiesektor, jedoch ist ein Absenken des Energiebedarfs im Bereich Warmwasserbereitung, nicht so einfach zu realisieren. Schließlich muss eine Warmwassertemperatur mit 60°C vorgehalten werden. Ob es am Ende wirklich dazu kommen wird, dass die Temperatur vom Warmwasser auf 48°C abgesenkt werden kann, wie man sich vorstellt, wage ich zu bezweifeln.

Dies einfach aus hygienischen Gründen, die Temperatur von 48°C liegt im Komfortbereich diverser Bakterien und diesen Bereich, will man vermeiden.

Weiterhin sind Fett und Öle erst ab einer Temperatur von größer 50°C lösbar und eine einzelne Pfanne jetzt deswegen mit der Spülmaschine abwaschen zu müssen, ist energetisch sinnlos.

Und der Einsatz von Ultrafiltrationsanlagen sehe ich als kritisch an, auch wenn es hervorgehoben wurde. Dennoch finde ich hier sollte man abwarten, was die Forschung am Ende feststellt. Es ist nun einmal so, dass ein Einsatz von Ultrafiltrationsanlagen derzeit, nicht dem Stand der allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht. Und so lange die oben angesprochenen Wissenschaftlichen Arbeiten nicht vorliegen, kann es noch nicht einmal Stand der Wissenschaft sein, es wäre ein experimenteller Einsatz, was zu Rückbau führen könnte, dann ist aber zu klären, wer diese Kosten trägt.

Ein weiterer Stichpunkt, welcher sehr einfach aufgeworfen werden kann ist das dezentrale Spülen. Was bedeutet, es wird an den Entnahmestellen die bestimmungsgemäße Nutzung aufrechterhalten. Dies soll mittels entsprechender Armaturen erfolgen, soweit so gut. Jedoch ist, dass keine Lösung, welche schon ausgereift ist. Denn es fehlen ganz wichtige Entnahmestellen, welche einfach in diese Betrachtungen nicht mit einbezogen werden, jetzt am WC-Spülkasten, Warmwasser mit weg zu spülen, finde ich als nicht zielführend, denn:

  1. Endständiges Spülen in einer Nasszelle unterstützt nicht die bestimmungsgemäße Nutzung nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Dies ist nicht realisierbar mit Hygienespülungen, oder auch spülenden WC-Spülkästen.
  2. Dies ist rein eine unterstützende Maßnahme zur bestimmungsgemäßen Nutzung.

  3. Sind bei dezentralen Spülaktionen nicht alle Entnahmestellen in das System einbezogen. Dies sind vor allem Zapfstellen welche fest angeschlossen sind, wie Spülmaschinen, Waschmaschinen und dergleichen, auch diese Entnahmestellen müssen in diesen Bereich einbezogen werden. Ohne dass diese Entnahmestellen in ein dezentrales Spülsystem integriert wurden, sind diese Systeme nicht vollständig und dann nicht ausreichend, um eine bestimmungsgemäße Nutzung zu gewährleisten.

Kaltwasserzirkulation

Ein neuer „alter“ Trend. Vor einigen Jahren hatte bereits ein Hersteller ein Kaltwasserzirkulationssystem im Programm. Dieses System verschwand vom Markt. Jetzt taucht dieses Thema wieder verstärkt auf (bereits beim VDI Expertenforum war es Thema).

Warum?

Um Fehler in der Planung auszubessern?

Um Fehler in der Versorgung (Trassenführung mit Fernwärme) zu verbergen?

Um Fehler im Städtebau zu verbergen?

Fehlende Vorgaben für die Trassen der Erschließung?

Ich kann es nicht beantworten. Kaltwasserzirkulationssysteme sind derzeit nicht normativ erfasst und damit nicht Stand der Technik.  

Es soll nicht verurteilt werden, jedoch was ist dann notwendig, um diese Systeme wirklich einzusetzen?

  1. Ein hydraulisch abgeglichenes Rohrleitungsnetz
  2. Zirkulationsvolumenströme sind entsprechend einzuregulieren
  3. Ein Nachweis über die erforderliche Kühlleistung
  4. Je nach eingesetzten Kältemittel entsprechende Absicherung zwischen Kaltwasser und Kühlkreislauf. Hier muss auf die entsprechende Absicherung geachtet werden. Kältemittel mit LD>50 entsprechen Kategorie 4 gemäß DIN EN 1717 und sind somit mit einem doppelten Plattenwärmetauscher und Leckage Warnung zu betreiben. Dieser deutliche Mehraufwand kann, die Kaltwasserzirkulation unwirtschaftlich machen.
  5. Ein Berechnungsverfahren, dass im Rahmen einer Norm oder Richtlinie erarbeitet und der Fachwelt vorgestellt wird.

Und dann muss ja auch noch berücksichtigt werden, dass Zirkulationssysteme im Betrieb einer Trinkwasseranlage aufgrund des Zapfens von Wasser nicht funktionieren. Jedoch Wärme im Bereich Kaltwasser typisch tagsüber eingetragen wird, denn durch Nachtabsenkung der Heizung, wird die Wärmelast dann um einiges geringer, was dann eigentlich dazu führen kann, dass ein Zirkulationssystem im Kaltwasser, nur dann kühlt, wenn sowieso geringere Wärmelasten anstehen.

Mein Fazit

Die Technik schreitet voran, dass ist gut. Jedoch und ich glaube das liest man deutlich heraus, ist es auch Zeit, mal Fragen zu stellen und die Dinge auch zu hinterfragen. Die Hausaufgaben sind vielfältig, ob im Bereich BIM, Monitoring, Kaltwasserzirkulation, dezentralen Spülen, dezentraler Warmwasserbereitung und allen anderen Themen.

Hierzu nochmal das Thema BIM, mit BIM kann die Materialermittlung durchgeführt werden, die VOB (Vertragswerk bei öffentlichen Gebäuden) erfordert aber teilweise eine Massenermittlung anhand von Plänen und/oder Aufmaßen. Hier ist BIM kein Vorteil, solange dies nicht in den relevanten Verträgen sich abbildet. Genau genommen müsste hierzu der komplette Teil C der VOB, bis 2020 überarbeitet werden.

Hier ist nicht mehr viel Zeit.

Noch ein Wort zum Seminar, ich fand das Seminar ausgezeichnet und sehr informativ. Bitte meine Kommentare nicht als Kritik verstehen, diese sind konstruktiv und so ausgerichtet, dass diese als Gedankenanstoß verstanden werden soll.

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