Was ist eine Gefährdungsanalyse?

Diese Frage war bis Ende 2017 immer wieder ein Streitpunkt und unklar. Obwohl die Gefährdungsanalyse bereits seit dem Jahr 2012, durch die Empfehlung des Umweltbundesamtes geregelt war. Da diese Empfehlung oft nicht berücksichtigt wurde, zeigen verschiedene Berichte in diesem Zusammenhang. Dieser Umstand hat den Gesetzgeber im Jahr 2017 dazu veranlasst in der derzeit gültigen Trinkwasserverordnung von Januar 2018, die Definition der Gefährdungsanalyse aufzunehmen.

In der Begründung zu der Änderung der Trinkwasserverordnung heißt es:

In der Vollzugspraxis hat sich gezeigt, dass eine Definition erforderlich ist, um das Ziel erreichen zu können, dass auf der Grundlage solider Gefährdungsanalysen wirksame Abhilfemaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit geplant und getroffen werden.

Diese Lücke wurde mit der Definition im §3 der derzeit gültigen Trinkwasserverordnung geschlossen. Seither sind Gefährdungsanalysen, entsprechend der Trinkwasserverordnung und der unten stehenden Definition durchzuführen.

In der aktuellen Trinkwasserverordnung wird im §3 Begriffsbestimmungen die Gefährdungsanalyse unter dem Punkt 13 definiert.

§3 – 13.
IST „GEFÄHRDUNGSANALYSE“ DIE SYSTEMATISCHE ERMITTLUNG VON GEFÄHRDUNGEN DER MENSCHLICHEN GESUNDHEIT SOWIE VON EREIGNISSEN ODER SITUATIONEN, DIE ZUM AUFTRETEN EINER GEFÄHRDUNG DER MENSCHLICHEN GESUNDHEIT DURCH EINE WASSERVERSORGUNGSANLAGE FÜHREN KÖNNEN, UNTER BERÜCKSICHTIGUNG
A) DER BESCHREIBUNG DER WASSERVERSORGUNGSANLAGE,
B) VON BEOBACHTUNGEN BEI DER ORTSBESICHTIGUNG,
C) VON FESTGESTELLTEN ABWEICHUNGEN VON DEN ALLGEMEIN ANERKANNTEN REGELN DER TECHNIK,
D) VON SONSTIGEN ERKENNTNISSEN ÜBER DIE WASSERBESCHAFFENHEIT, DIE WASSERVERSORGUNGSANLAGE UND DEREN NUTZUNG SOWIE
E) VON LABORBEFUNDEN UND DEREN ÖRTLICHER ZUORDNUNG.

Betrachten wir diese Begriffsbestimmung genauer um ermitteln zu können, was eine Gefährdungsanalyse im Trinkwasser ist.

Eine Gefährdungsanalyse ist die systematische Ermittlung von Gefährdungen.

Die systematische Ermittlung von Gefährdungen ist die Betrachtung der kompletten Trinkwasseranlage und deren Untersuchung, nach möglichen Gefährdungen. Hierzu ist eine Systematik notwendig, die es ebenfalls seit Januar 2018 gibt. Die VDI/BTGA/ZVSHK 6023- Blatt 2 beschreibt die Systematik der Gefährdungsanalyse und gibt den Sachverständigen, den notwendigen Rahmen, um eine Trinkwasseranlage gemäß Trinkwasserverordnung untersuchen zu können.

Durch die Trinkwasserverordnung und die VDI/BTGA/ZVSHK 6023-Blatt 2 wird jetzt festgelegt, wie die Gefährdungsanalyse zu erfolgen und welche Mindestanforderungen diese zu erfüllen hat.

In der VDI/BTGA/ZVSHK 6023 – Blatt 2 wird definiert, dass eine Hygiene relevante Abweichung von den allgemein anerkannten Regel der Technik, einen Mangel darstellt und somit eine Gefährdung der Nutzer vermuten lässt.

Diese Mängel sind in der Gefährdungsanalyse niederzuschreiben und deren Beseitigung zu erläutern.

Eine Gefährdungsanalyse bedarf einer Beschreibung der Wasserversorgungsanlage

Dieser Punkt mag als einfach angesehen werden, dennoch ist dies komplexer, als auf den ersten Blick vermutet wird. Denn hier spielt die Geschichte der Trinkwasserinstallation eine Rolle. Im folgenden möchte ich dies näher erläutern, die VDI 6023-2 gibt hier entsprechende Hilfe. Die VDI – Richtlinie weist darauf hin, dass es sich um die Feststellung der konkreten Situation einer Trinkwasseranlage geht. Folgende Bereiche sind angesprochen:
– Planung
– Ausführung
– Betrieb
Diese drei Bereiche beschreiben eine Trinkwasseranlage. Hierdurch sind für die Beschreibung einer Trinkwasseranlage Pläne, Berechnungen, das Raumbuch, Wartung- und Inspektionsprotokolle notwendig. Diese gesammelten Unterlagen, beschreiben die Trinkwasseranlage.

Dazu gehören selbstverständlich auch Daten, von eventuellen Umbauten und Sanierungen, sowie die aktuellen und jüngeren Verbrauchsdaten. Eine aktuelle Bestandsaufnahme schließt diese Beschreibung ab.

Anhand dieser Daten, kann eine Trinkwasseranlage beschrieben werden. In einem späteren Beitrag zum Aufbau der Gefährdungsanalyse werden wir dies genauer betrachten.

Eine Gefährdungsanalyse bedarf einer Ortsbegehung

Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, das ein Gutachten, welches für eine Anlage erstellt wird, durch einen Sachverständigen persönlich besichtigt wird. Da es jedoch in die Trinkwasserverordnung eingeflossen ist, darf angenommen werden, das dies nicht immer zutraf. Berichten zufolge, soll es Gefährdungsanalysen am Telefon und per Internet gegeben haben. Dies ist nicht zweckmäßig und wurde durch die TrinkwV nun geregelt.

Das in das zu erstellende Gutachten, dann die Beobachtungen, welche vor Ort durch den Sachverständigen festgestellt werden, in dieses einfließen sollen, fordert auch die VDI 6023-2.

Genauer wird dieser Punkt in einem späteren Beitrag betrachtet.

Eine Gefährdungsanalyse bedarf einer Zusammenstellung der Abweichung von den allgemein anerkannten Regeln der Technik

Dies ist der eigentliche Hauptkern der Gefährdungsanalyse. Denn eine Trinkwasseranlage die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben wird, wird nicht auffällig werden, was Legionellen betrifft.

Alleine aufgrund dieser Forderung wird klar, dass der Sachverständige ein umfangreiches und aktuelles Fachwissen benötigt, denn die allgemein anerkannten Regeln der Technik unterliegen einen gewissen Wandel, welcher den Fachleuten bekannt sein muss.

Eine Gefährdungsanalyse muss auf die Wasserbeschaffenheit und deren Nutzung eingehen

Die Wasserbeschaffenheit hat einen großen Einfluss auf die Materialwahl für die Trinkwasseranlage. Da sich die Wasserbeschaffenheit des Trinkwassers aufgrund Zusammenlegung von Brunnen und Bezug aus anderen Gebieten, ändern kann, muss dies aktuell betrachtet werden. Eine Materialauswahl zu dem Zeitpunkt der Errichtung der Wasserversorgungsanlage kann richtig gewesen sein, durch Änderungen der Wasserbeschaffenheit kann es dazu führen, dass Änderungen hier erforderlich werden.

Die Nutzung der Trinkwasseranlage ist ein entscheidender Punkt. Dies wird alleine durch die Forderung nach dem bestimmungsgemäßen Betrieb in den allgemein anerkannten Regeln der Technik klar, jedoch auch hier klafft eine Lücke zwischen Planung und Betrieb der Anlage. Zumindest in vielen Fällen. So kann es vorkommen, dass im Lauf der Zeit aus Wohnungen Büros gemacht wurden. Alleine durch diese Möglichkeit, ist die Nutzung der Trinkwasseranlage entscheidend und der Sachverständige muss diesen Punkt betrachten. Dies wird ihm auch durch die VDI 6023-2 auferlegt.

Eine Gefährdungsanalyse muss auf Laborbefunde und deren örtlichen Zuordnung eingehen

Das die Ursache für die Gefährdungsanalyse betrachtet werden muss, sollte naheliegen. Denn durch die Befunde des Labors, meist eine Überschreitung des technischen Massnahmenwertes für Legionellen, wird die Gefährdungsanalyse durch den UsI beauftragt.

Allerdings die örtliche Zuordnung der Probe kann in der Praxis schwierig sein. Um die Proben örtlich zuordnen zu können, ist vom UsI ein entsprechender Probenahmeplan zu erstellen und dem Sachverständigen zu übergeben. Anhand des Planes der Probenahmestellen, können diese örtlich eindeutig zugeordnet werden. Hierzu bedarf es einer entsprechenden Vorarbeit, welche in vielen Fällen nicht geleistet wurde.

Ausblick

Der nächste Beitrag der Serie betrachtet, wann eine Gefährdungsanalyse benötigt wird.

 

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