Unterschied zwischen Legionellenschaltung und thermischer Desinfektion

Oftmals werden beide Begriffe synonym zueinander verwendet. Irrtümlich wird angenommen, dass eine Legionellenschaltung eine thermische Desinfektion ist oder durchführt. Dem ist nicht so.

Beachtenswert ist, dass:

  • Die Legionellenschaltung nicht in den technischen Regeln verankert ist
  • Die thermische Desinfektion im DVGW Arbeitsblatt W551 beschrieben ist.

Schauen wir uns an, was beide Begriffe genau darstellen.

Unterschiede zwischen den beiden Begriffen

Die Legionellenschaltung

Bei der Legionellenschaltung handelt es sich um eine Funktion, welche häufig in Regelungen der Heizkessel zu finden ist. Hierbei wird periodisch (täglich oder wöchentlich) die Temperatur im Warmwasserspeicher auf ein Temperaturniveau von 60°C oder höher gebracht.

Hierbei soll der Effekt genutzt werden, dass Legionellen ab 60°C absterben und aufgrund dessen wird dies praktiziert. Da aber bei der Legionellenschaltung das Gesamtsystem aus Leitungen und Entnahmearmaturen nicht berücksichtigt wird, ist ein Erfolg der Maßnahme eher unwahrscheinlich und führt in vielen Fällen, noch zur Verschlechterung der Situation, was Legionellen im System betrifft.

Der Verbraucher kann hier Wasser entnehmen, was eine erhöhte Verbrühungsgefahr darstellt.

Wirksam?

Die thermische Desinfektion

Ist ein beschriebener Prozess im DVGW Arbeitsblatt W551. Hierbei geht es darum, Legionellen im Gesamtsystem zu beseitigen. Bei der thermischen Desinfektion handelt es sich um eine Betriebsunterbrechung der Trinkwasser-Installation. Während der Zeit der Desinfektion kann vom Verbraucher kein Wasser entnommen werden.

Es sind verschiedene Maßnahmen notwendig, um eine thermische Desinfektion durchzuführen. Die folgende Liste ist nicht vollständig, soll aber verdeutlichen, dass ein hoher Aufwand für eine thermische Desinfektion notwendig ist.

Prozess

Ungefährer Ablauf

  • Die thermische Desinfektion ist zu planen
  • Die thermische Desinfektion bedarf eventuell den Schutz oder den Ausbau diverser Bauteile
  • Die Volumenströme im Zirkulationssystem sind anzupassen
  • Das System ist auf eine Temperatur von ca. 75-78°C aufzuheizen, um an jeden Punkt eine Temperatur von 70°C zu erreichen
  • An jeder Entnahmestelle ist Wasser mit 70°C für 3 Minuten zu entnehmen
  • Es sind Anforderungen gegen Verbrühungen zu treffen
  • Eventuell ist mit Atemschutz (Legionellen) zu arbeiten
  • Nach durchgeführter thermischer Desinfektion ist das System wieder auf die richtigen Betriebstemperaturen einzustellen und zu kontrollieren
  • Es ist ein Protokoll über die thermische Desinfektion anzufertigen

Zusammenfassung

Zusammenfassung

Die Legionellenschaltung ist ein unkontrollierter Prozess, welcher als nicht zielführend angesehen werden darf. Eine Legionellenschaltung an der Regelung/Steuerung des Kessels zu aktivieren und dann eine thermische Desinfektion durchzuführen, wird in 99 Prozent der Fälle nicht gelingen und wird zu Schäden führen.

Die thermische Desinfektion ist ein Prozess verschiedenster Maßnahmen und stellt eine Betriebsunterbrechung dar. Die thermische Desinfektion selbst ist eine wirksame Methode gegen Legionellen.

Die Einhaltung der Allgemein anerkannten Regeln der Technik und des bestimmungsgemäßen Betriebs ist wirksamer.

2 Gedanken zu „Unterschied zwischen Legionellenschaltung und thermischer Desinfektion

  1. Günther Loitz Antworten

    Hallo,
    wenn ich Informationen bezüglich der Legionllengefahr in Zweifamilienhaus suche, dann finde ich keine Information.
    Problem: dreistöckiges Zweifamilienhaus mit Wärmepumpe. Zirkulation ja, aber die nachgeschalteten Leitungen in beiden Wohnungen haben immer noch 3 Liter Inhalt.
    Temperatur Warmwasserspeicher 45°C bis 48°C.
    Ab Wasserspeicher bis zur entferntesten Enthahmestelle 5,6 Liter.
    Keine Legionellenschaltung vorhanden. Legionellentest durchgeführt: Wert 2800 statt 100. Installateur sagt es gibt keine Vorschriften bezüglich Legionellen auch die Vorgaben der DIN 1988 müssen nicht eingehalten werden.
    Was muss ich tuen? Warum gibt es einen Unterschied bezüglich der Hygieneanforderungen zwischen Groß-und Kleinanlagen?

    • Michael Autor des BeitragsAntworten

      Hallo,
      vielen Dank für Ihren Kommentar zu dem Beitrag.
      Ich versuche ihre Fragen, ohne Kenntnis ihrer Anlage zu beantworten.
      Legionellen sind prinzipiell unerwünscht und da macht es keinen Unterschied ob Groß- oder Kleinanlage. Legionellen stellen eine Gesundheitsgefahr dar und aufgrund dessen nicht erwünscht in der Hausinstallation.
      Der einzige Unterschied besteht in der Untersuchungspflicht zu Legionellen, Kleinanlagen sind hiervon ausgenommen. Hiervon unberührt ist bei einem Vorhandensein von Legionellen, die Maßnahmen, welche zur Beseitigung von Legionellen zu ergreifen sind.
      Sie schreiben die Warmwassertemperatur wäre 45°C bis 48°C, eine erste Maßnahme könnte es sein, die Warmwassertemperatur auf das richtige Temperaturniveau zu stellen. Inwieweit dies mit Ihrer Anlage realisierbar ist, kann ich nicht beurteilen.
      Einen Unterschied in Sachen Hygieneanforderungen kann ich nicht erkennen, denn Legionellen sind in keinem Gebäude und Trinkwasser-Installation erwünscht.
      Die Normen der DIN1988 Reihe sind Allgemein anerkannte Regeln der Technik und sind einzuhalten.
      Ich hoffe ich konnte ihnen Ihre Fragen beantworten. Detaillierte Antworten zu ihrem Problem kann ich ihnen nicht geben, da mir ihre Anlage nicht bekannt ist.
      Viele Grüße
      Michael Loskarn

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