Einfache Regel beim Absichern für Trinkwasserinstallation

Trinkwasserinstallationen richtig gegen Rücksaugen, Rückdrücken, Rückfließen und Kondemnation von Mikroorganismen abzusichern, kann eine komplexe Aufgabe sein. Hier bieten die DIN EN1717 und die DIN1988-100 entsprechende Hilfestellung. Dennoch kann es bei der Anwendung der Normen, immer zu Fragen kommen, welche durch einen einfachen Ansatz gelöst werden können.

In diesem Beitrag soll dieser Ansatz vorgestellt werden und dazu angeregt werden, verschiedene Verbrauchsstellen von Trinkwasser zu hinterfragen.

Verbraucher, welche nicht vorhanden sind, müssen nicht abgesichert werden.

Ein einfacher Punkt, Entnahmestellen im Trinkwasser die nicht vorhanden sind, müssen nicht abgesichert werden. Jedoch ist heute aus Gründen des Komforts und der ständigen Verfügbarkeit von Trinkwasser, eher das Gegenteil der Fall. Trinkwasser wird für alle möglichen Zwecke eingesetzt und verursacht teilweise entsprechende Probleme. Ein Verzicht auf die ein oder andere Entnahmestelle, würde hier Abhilfe schaffen.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Warum ist das Ganze so komplex?

Trinkwasser wird in der Trinkwasserverordnung definiert und umschließt die komplette Wasserversorgungskette vom Wasserversorger bis hin zum Verbraucher. So muss an der Stelle der Entnahme durch den Menschen, die Qualität des Trinkwassers der Verordnung entsprechen. Dies wird durch das Einhalten der allgemein anerkannten Regeln der Technik vermutet.

Die allgemein anerkannten Regeln der Technik sind jetzt einzeln in DIN-Normen oder anderen Vorschriften festgehalten, dies können auch Erkenntnisse sein, welche durch die Mehrheit der Fachleute festgestellt wurden. Bis diese neuen Erkenntnisse in eine Norm einfließen, dauert es mitunter einige Jahre. So ist die derzeit gültige DIN EN 1717 aus dem Jahr 2011.
Die Entwicklung und die Kenntnisse der Fachleute sind der Norm voraus, weshalb die Norm nie den Stand aller A.a.R.d.T. darstellen kann.

Weiterhin sind es mehr als 1000 Seiten an normativer Literatur, was das Ganze ebenfalls sehr komplex werden lässt. Jeder Fachmann muss diese Normen, Verordnungen und darüber hinaus kennen.

Wie kann dies einfacher formuliert werden?

Hier muss angemerkt werden, dass die Norm (EN1717 und 1988-100) ebenfalls von diesem Prinzip ausgehen und das Regelwerk, dem Grunde nach auf die untenstehenden Aussagen beschränkt werden könnte.

Trinkwasser, welches für den Menschen bestimmt ist, benötigt keine Absicherung.
(Trink)Wasser, welches für Prozesse und Tätigkeiten bestimmt ist, benötigt eine Absicherung.
(Trink)Wasser, welches für Tiere bestimmt ist, benötigt die höchste Absicherungsgüte.

Die einzelnen Aussagen betrachtet der Beitrag folgend im Einzelnen.

Trinkwasser & Wasser beim Absichern

Trinkwasser, welches für den Menschen bestimmt ist, benötigt keine Absicherung.

Trinkwasser, wie es von dem Wasserversorger geliefert wird, ist unter normalen Umständen, rein und genusstauglich. Daher kann es in vielen Fällen ohne jedwede Aufbereitung für den Genuss und Verbrauch durch den Menschen verwendet werden. Eine Absicherung des Trinkwassers an der normativ richtigen Entnahmestelle, ist bei vielen Entnahmestellen nicht weiter nötig. Die Einschränkung bezieht sich hier auf normative Entnahmestellen, so ist eine Schlauchbrause entsprechend gegen Rückfließen, Rückdrücken und Rücksaugen abzusichern.

Ferner ist es auch so, dass nach einer Sicherungseinrichtung die Trinkwasserverordnung nicht mehr gilt. Wobei hier die Einschränkung gegeben ist, dass für den menschlichen Gebrauch Trinkwasser zur Verfügung stehen muss. Das bedeutet, je nach Entnahmestelle ist die Entnahmestelle selbst die Sicherungseinrichtung. Als Beispiel ist hier die Auslaufarmatur am Waschbecken bzw. an der Küchenspüle aufzuführen. Der Auslauf der Entnahmearmatur selbst ist ein freier Auslauf, wenn zwischen Oberkante des Einrichtungsgegenstands und Auslauf, ein entsprechender Luftraum vorhanden ist.

Festzuhalten ist, dass selbst wenn eine Sicherungseinrichtung normativ vorzusehen ist, immer noch Trinkwasser vorhanden sein muss. Nach TrinkwV gilt die Stelle der Entnahme für den Menschen. Je nach Gebäude und Verwendung, muss dies auch durch eine Untersuchung nachgewiesen werden. So sind öffentliche Gebäude regelmäßig auf die Einhaltung der TrinkwV zu überprüfen.

(Trink)Wasser, welches für Prozesse und Tätigkeiten bestimmt ist, benötigt eine Absicherung.

Wasser welches für Prozesse in Industrie, Gewerbe und Haushalt bestimmt ist, benötigt eine Absicherung. Hier sind alle Tätigkeiten gemeint, welche nicht direkt mit dem menschlichen Verbrauch zusammenhängen, wie Garten gießen, Kühlen, Heizungskreisläufe nachfüllen und andere Dinge. Hier sind Sicherungseinrichtungen nach Norm notwendig und Entnahmestellen sind auch nachzurüsten. Nehmen wir die Nachfüllmöglichkeit für Heizungsanlagen, diese sind je nach Heizungswasser mit einer Absicherung der Kategorie 3 oder 4 auszurüsten und umzurüsten. Nach normativer Regelung darf ohne Absicherung, keine Verbindung zwischen den beiden Medien Heizung und Trinkwasser erfolgen.

Da dies noch vor einigen Jahren anders gemacht worden ist, lässt sich auch heute noch bei vielen Anlagen betrachten. So sind auch heute noch immer Heizungsanlagen direkt mit dem Trinkwasser verbunden. Diese Nachspeisung ist schon lange nicht mehr zulässig und muss geändert werden. Der Aufwand hierzu ist nicht allzu groß und normalerweise ohne Störung des Betriebes machbar.

(Trink)Wasser, welches für Tiere bestimmt ist, benötigt die höchste Absicherungsgüte.

Wasser welches zum Trinken von Tieren, ob in der Landwirtschaft oder in zoologischen Anlagen, bestimmt ist, benötigt die höchste Form der Absicherung. Dies ist ein freier Auslauf gemäß Norm. Hierbei muss sichergestellt werden, dass keinerlei Keime von der Trinkstelle in die Wasserversorgungsanlage kommen können. Dies ist aufgrund der Mikrobiologie nur mit einem freien Auslauf (Kategorie 5) nach Norm möglich.

Dies gilt auch, wenn für die Tiere annähernd Trinkwasser benötigt wird. Weil zum Beispiel es sich hier bei um hochwertige Tiere handelt. Die Tierliebe würde zu weit führen, wenn hier Wasser ohne entsprechend hoher Absicherung zur Verfügung gestellt wird.
Auch hier gilt, entsprechend nachzurüsten und eventuell alte Tränken entsprechend auf moderne Anforderungen umzubauen.

Weshalb wird bei Prozessen und Tieren, von Wasser gesprochen und nicht von Trinkwasser?

Die Begründung liefert die Trinkwasserverordnung im Paragraphen 3:

Im Sinne dieser Verordnung 1. ist „Trinkwasser“ in jedem Aggregatzustand des Wassers und ungeachtet dessen, ob das Wasser für die Bereitstellung auf Leitungswegen, in Wassertransport-Fahrzeugen, aus Trinkwasserspeichern an Bord von Land-, Wasser- oder Luftfahrzeugen oder in verschlossenen Behältnissen bestimmt ist,
alles Wasser, das, im ursprünglichen Zustand oder nach Aufbereitung, zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen und Getränken oder insbesondere zu den folgenden anderen häuslichen Zwecken bestimmt ist:
aa) Körperpflege und -reinigung,
bb) Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen,
cc) Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen;

Wasser, welches nicht für die obigen Zwecke bestimmt ist, ist in fachlicher Hinsicht kein Trinkwasser, sondern Brauchwasser, Prozesswasser oder einfach nur Wasser.

Inwiefern bedingt der Verzicht auf Entnahmestellen von Trinkwasser zur Besserung der Situation?

Genau genommen ist es so, dass heute aus Komfortgründen mehrere Entnahmestellen extra gebaut werden, um möglichst auf kurzem Wege an Trinkwasser zu erhalten. Nehmen wir zum Beispiel ein Einfamilienhaus, welches nach heutigen Komfortansprüchen gebaut wird. Hier sind häufig mehrere Entnahmestellen zu finden, auf welche verzichtet werden könnten. Dies sind, Entnahmestellen in der Garage, Gartenwasserbewässerung, Wasseranschluss am Kühlschrank und andere Dinge.
Bedenken muss man hierbei, dass die A.a.R.d.T. eine bestimmungsgemäße Nutzung der Entnahmestellen fordern. Jede Entnahmestelle muss entsprechend häufig benutzt werden. Jede überflüssige Entnahmestelle, sorgt dafür, dass Wasser abgelassen werden muss, ohne dass es einer Verwendung zu Grunde liegt. So sind mehr als ein Gartenwasseranschluss, rein aus Komfortgründen, im Sinne der Trinkwasserhygiene bedenklich.

Am Ende wollen Sie sauberes Trinkwasser aus der Leitung haben, dies fängt bereits bei der Platzierung der Entnahmestellen für Trinkwasser an, selbst im Einfamilienhaus. Jede Entnahmestelle, die nicht mindestens innerhalb einer Woche einmal benötigt wird, ist umsonst und fördert eventuelle Probleme mit dem Trinkwasser im Gebäude.

Einfach, oder?

Zusammenfassung

Der einfache Ansatz ist:

Nur da wo unbedingt notwendig, ist Trinkwasser vorzuhalten. An Stellen, an denen kein Trinkwasser benötigt wird, reicht es aus, entsprechende andere Möglichkeiten zu suchen und zu nutzen.

Komfortansprüche können dagegen stehen, sollten jedoch genau betrachtet werden. Im Zweifel lieber auf zusätzliche Entnahmestellen verzichten, dies kann der Trinkwasserhygiene zu gute kommen.

Zusammenfassung

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